OÖNachrichten: “OÖ Stiftskonzerte: Ein glanzvolles Einspringen”

AmirAcclaim, News

On 13 June 2026 Noa performed Mozart’s Sonata for Piano and Violin No. 21 in E minor (K. 304/300c), Beethoven’s Violin Sonata No. 5 in F major, Op. 24 ‘Spring Sonata’, Roukens’s Sarasvati, and Prokofiev’s Violin Sonata No. 2 in D Major, Op. 94a with Elisabeth Brauß at the St. Florian Monastery (Sommerrefektorium) in Sankt Florian, Austria, in lieu of Patricia Kopatchinskaja and Joonas Ahonen, for whom they stepped in.

Review from OÖNachrichten (14/06/2026):

OÖ Stiftskonzerte: Ein glanzvolles Einspringen

Noa Wildschut, violinist

Noa Wildschut und Elisabeth Brauß retteten am Samstag das Konzert im Stift St. Florian, indem sie für Patricia Kopatchinskaja und ihren Klavierpartner Joonas Ahonen einsprangen

Als wahre Rettungsengel erwiesen sich am Samstag Noa Wildschut und Elisabeth Brauß, die kurzfristig für die erkrankte Patricia Kopatchinskaja sowie ihren Klavierpartner Joonas Ahonen einsprangen und im Sommerrefektorium des Stifts St. Florian ein begeisterndes Konzert gaben.

Wildschut ist dem Publikum der Stiftskonzerte bestens bekannt – die hochbegabte 25-Jährige hatte bereits beim heurigen Eröffnungskonzert in allen Belangen begeistert. Mit der um sechs Jahre älteren deutschen Pianistin Brauß verbindet die niederländische Geigerin seit Langem eine enge musikalische Partnerschaft, sodass das spontane Einspringen dem glücklichen Griff in einen gut gefüllten gemeinsamen Fundus glich.

Mit Mozarts e-Moll-Sonate KV 304 und Beethovens F-Dur-Sonate op. 24 servierten die beiden im ersten Teil zwei Kernwerke der Violinliteratur. Sie überzeugten mit klaren Linien, einem unprätentiösen Zugang und erstaunlicher Präzision im Zusammenspiel. Klug durchdacht loteten sie die dynamischen wie emotionalen Spannweiten beider Werke mit großer Selbstverständlichkeit aus.

So richtig zündend wurde der zweite Teil des Abends, den die beiden mit Joey Roukens’ “Sarasvati” eröffneten – jenem Werk, das ihnen der niederländische Komponist 2018 als Auftragskomposition des Concertgebouw Amsterdam und der European Concert Hall Organisation im Rahmen der Reihe ECHO Rising Stars maßgeschneidert hat.

“Die Fließende”
Der Titel ist doppeldeutig: “Die Fließende” bezeichnet sowohl die indische Göttin der Weisheit, Gelehrsamkeit und Künste als auch den mythischen, mit ihr verbundenen Fluss. Dieser steht im Zentrum der klanglich tonal geprägten Komposition. Roukens setzt ihn mit fließenden Klavierarpeggien (Akkord, bei dem die Töne in kurzen Abständen nacheinander entstehen), über die sich die Geige sanft legt, in Bewegung. Der Strom schwillt an, wird zum reißenden Gewässer, was die Musik programmatisch bis hin zur äußersten Virtuosität nachzeichnet.

Den Abschluss bildete Sergej Prokofjews Zweite Violinsonate op. 94a, die in ihrer Anlage eine fast ähnliche Dramaturgie entfaltet: ein stetes Anwachsen der Energie bis zum finalen Höhepunkt. Hier schwebten Wildschut und Brauß über den technischen Herausforderungen und verschmolzen zu einer Einheit lebendigen, intensiven Musizierens. Ein jugendliches, an die Grenzen gehendes Spiel, das mitreißt und angesichts der Virtuosität Staunen hervorruft. Zum “Runterkommen” gab es noch eine kleine Draufgabe: den dritten Satz “Tin Pan Alley” aus Paul Schoenfields “Four Souvenirs”.

Fazit: Viel Applaus für ein feines Repertoireprogramm, das durch hochvirtuose Interpretation glänzte.

Weitere Termine: stiftskonzerte.at

Michael Wruss

Source: https://www.nachrichten.at/kultur/ein-glanzvolles-einspringen;art16,4181259

Photo credit: Reinhard Winkler


Review from Kronen Zeitung (15/06/2026):

St. Florian: Ersatzprogramm als „Offenbarung“

Noa Wildschut, violinist

Die OÖ Stiftskonzerte präsentierten ein Wochenende mit Weltklasse-Künstlern in Oberösterreichs schönsten Barockräumen. Das britische Vokal-Quintett Apollo5 in der Kirche von Stift Lambach, im Sommerrefektorium des Stifts St. Florian überraschte ein „Ersatzduo“: Noa Wildschut an der Violine und Elisabeth Brauß am Klavier.

Am Freitag begeisterte das international gefeierte britische A-cappella-Vokalensemble Apollo5 in der barocken Kirche des Stiftes Lambach.

Das Genre-übergreifende Programm von Monteverdi bis Shi-Bomm („Life Could be a Dream“) hielt, was der Titel versprach: Es war „A Day in Paradise“. Der paradiesische Tag erstreckt sich über 400 Jahre vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart in harmonisch spielerischen Klanglandschaften.

Fünf Stimmen klangen wie eine Einzige. Soli entschwebten hinauf ins Kirchengewölbe zu den üppigen Barock-Engerln, die aussehen, als wollten sie vor Vergnügen mitswingen.

Ersatzprogramm übertraf alle Erwartungen
Am nächsten Abend im Stift St. Florian zunächst allseits lange Gesichter. Die Stargeigerin Patricia Kopatchinskaja hatte wegen Krankheit abgesagt.

Zwischen Skepsis und Unmut doch höflichem Begrüßungsapplaus empfing das Publikum die kurzfristig eingesprungenen Künstlerinnen: Violinistin Noa Wildschut und Elisabeth Brauß am Klavier. Schon nach dem ersten Stück, Mozarts Klaviersonate KV 304, brach das zunächst so reservierte Publikum in Jubel aus. „Eine Offenbarung“ bemerkt ein Musikkenner im Publikum. 

Noa Wildschut, 24 Jahre, gab schon siebenjährig ihr Debüt im Concertgebouws in Amsterdam, heute tritt sie mit den großen Orchestern auf, begeistert als Solistin mit einer berühmten Geige von Giuseppe Guarneri del Gesù bekannt als „Lady Stretton“. Ihre Dialogpartnerin am Klavier war Elisabeth Brauss, geb. 1995. Sie spielte ebenfalls schon früh als Wunderkind in großen Konzertsälen, heute tourt sie Solo oder mit großen Orchestern von Amerika bis China. 

Das Duo überzeugte mit ungewöhnlicher Reife, Selbstsicherheit und emotionaler Tiefe. Es gab viele virtuose Passagen, ein feuriges hochenergetische Finale – laute Bravorufe aus. Nach zwei Stunden mit zwei Zugaben, toste so heftiger Applaus, wie es das ehrwürdige Sommerrefektorium im Stift St. Florian wohl noch nicht oft erlebt hat. 

Weitere hochkarätige Konzerte mit Meisterwerken von Klassik bis Moderne in den schönsten klösterlichen Räumen Oberösterreichs bieten die OÖ Stiftskonzerte noch bis 26. Juli

Eva Hammer

Source: https://www.krone.at/4178467

Photo credit: Reinhard Winkler