Weilheimer Tagblatt: “So jung, so reif”

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Noa Wildschut and Lauma Skride

On 21 March Noa performed in a recital with pianist Lauma Skride in Polling, Germany. They played works by Schubert, Beethoven, Debussy, Brahms and Tchaikovsky.

From the Weilheimer Tagblatt (23/3/2018):

“So jung, so reif”
“Noa Wildschut (Geige) und Lauma Skride (Klavier) begeistern in Pollinger Bibliotheksaal”

Polling – Würde man die Augen schließen und wüsste nicht, wer auf dem Podium steht, käme man als Pollinger Konzertbesucher wohl kaum auf die Idee, dass dort eine Siebzehnjährige spielt. Zerbrechlich wirkt die junge, gertenschlanke Holländerin Noa Wildschut. Ihre Stimme klingt mit leisem Sopran beinahe schüchtern. In dem Moment jedoch, in dem sie den Bogen ansetzt, verwandelt sie sich explosionsartig.

Ihrer Grancino-Geige entlockt sie einen elegant strahlenden, den ganzen Raum füllenden, herrlichen Ton. Ob Bogenhand oder Grifftechnik, technisch bewegt sich die junge Geigerin auf einem verblüffenden Niveau. Mit Preisen dekoriert, bereits auf großen Podien mit begehrten Konzertpartnern gebucht, wird sie ohne Frage weiter auf sich aufmerksam machen. Für den Abo-Zyklus der Kammermusikreihe hat sie beliebte Komponistennamen im Programm.

Für den Auftakt wählt sie allerdings beileibe kein „Warm up“, sondern steigt mit Schuberts „Rond brillant h-Moll“ gleich ein ins virtuose Repertoire. Dass es ihr und ihrer Klavierpartnerin Lauma Skride weder an Entschlusskraft noch an Gestaltungswillen mangeln wird, zeigen die beiden Musikerinnen bereits in den ersten Takten. Viel Körpereinsatz, viel wedelnden Haarschopf und sehr viel Strenge legt Noa Wildschut an den Tag, um ein riesiges Klangspektrum zu erzeugen. In vollem Galopp preschen die beiden ungleichen und musikalisch doch so harmonisch aufeinander abgestimmten Frauen durchs Allegro, explosiv, bis an die Grenze zur Schärfe. Glücklich als Solist kann sich schätzen, wer die lettische Pianistin Lauma Skride an seiner Seite weiß. Zwischen Kraft und Schmelz zaubert sie den Teppich für die Solovioline, klug und transparent, mit leichter Hand faszinierend.

In Beethovens früher „A-Dur-Sonate op. 12“ entwickeln die beiden eine hohe Dialogkultur, zeigen Sinn für geschmeidigen Witz. Nicht nur flirrendes Pastell, sondern tolle erdige Nuancen findet man anschließend bei Debussy. Orientalische Gewürznoten, Balkanfeuer und gleißendes Sonnenlicht durchfluten den Kopfsatz, amerikanisches Gershwin-Jazzflair und das Abenteuer, allein nur die linke Griffhand der Geigerin zu bewundern, lassen das Publikum „Bravo!“ rufen. Satt und füllig, in idealer Balance – nie überdeckt das Klavier, leuchtet aber dennoch warm und perlmuttglänzend – raunt Brahms‘ „d-Moll-Sonate“ aus dem op. 108 durch den Saal.

Als ob es nun noch eines weiteren Beweises für ihre erstaunliche Virtuosität bedurft hätte, wirft sich Noa Wildschut zum Finale in Tschaikowskys „Bravour-Valse-Scherzo“, gespickt mit tückischen Herausforderungen, die ihr, souverän und selbstsicher musizierend, am Ende doch noch ein Lächeln entlocken. Für den einhelligen Jubel bedankt man sich mit Piazollas „Oblivion“. Schöner kann ein Abschieds-Gruß wohl kaum klingen.” – Dorothe Gschnaidner

Photo credit: Ralf Ruder


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